Sozialistische Gruppe (SG)

Hochschulgruppe Erlangen/Nürnberg


SHZ #95 (Dezember '16)
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Buchvorstellung & Diskussion Nürnberg

Gesundheit — ein Gut und sein Preis

Mit einer Kritik am Gesundheitswesen und seinem Medizinbetrieb macht man sich leicht Freunde. Ärzte sind Geldschneider, Kurpfuscher oder beides. So etwas gibt es. Kassenbeiträge steigen, Versorgungsleistungen werden gestrichen. Auch das passiert. Und als Gipfel der Kritik: Gesundheit darf keine Ware sein!

Einwände dieser Art monieren die mangelhafte, fehlende oder gar vorenthaltene Leistung des Gesundheitsbetriebs und fordern Besserung. Diese Kritik ist unsere Sache und die der vorgestellten Broschüre nicht. Was ist, wenn der Skandal gar nicht in fehlender Leistung, sondern in der Leistung selbst und ihrem Zweck liegt, für den ein riesiger Gesundheitsapparat in dieser Gesellschaft unterhalten und massenhaft in Anspruch genommen wird? Was ist, wenn weniger eine halbherzige Bedienung der Patienten als deren massenhafter Bedarf an ärztlicher Hilfe ein Schlaglicht auf diese Gesellschaft wirft?

Millionen arbeiten sich neben ihrem Beruf an einer „gesunden Lebensführung“ mit Fitness-Studio, Anti-Stress-Programmen und Bio-Kost ab, um Belastungen auszuhalten, die schwer aushaltbar sind. Gesundheit ist offenbar kein Zustand, sondern ein dauernd zu erkämpfendes, weil angegriffenes Gut. Von ein paar natürlichen Erregern geht der Angriff auf den Organismus schon lange nicht mehr aus. Die großen Volksseuchen sind in unseren Breiten ausgestorben. Die moderne Menschheit laboriert und stirbt an „Zivilisationskrankheiten“. Was ist das für eine Sorte Zivilisation, die Kreuzzüge gegen das Rauchen und für ihren Atommüll den Begriff des „Restrisikos“ erfunden hat?

Der Staat stellt neben die Erwerbswelt seiner Gesellschaft einen Gesundheitsapparat, der in großem Stil in Anspruch genommen wird. Die kapitalistische Wirtschaft mit ihren Leistungsanforderungen und Umweltbelastungen sowie die aufreibende Lebensform von Erwerbsbürgern sind Großverbraucher von Gesundheit. Deswegen soll der staatliche Gesundheitsbetrieb den Verschleiß reparieren, weil sonst die Belastungen nicht auszuhalten und die Anforderungen nicht zu erfüllen sind, die die Welt der Konkurrenz ihren Insassen abverlangt. Ist das mit staatlicher Fürsorge und Güte zu verwechseln, nur weil auch Arbeitslose und Rentner in den Genuss medizinischer Versorgung kommen?

Der Arzt kann – im Großen und Ganzen – nichts dafür, dass ihm seine Geschäftsbedingung, der Nachschub an Krankenmaterial, nicht ausgeht. Er will einfach nur helfen und heilen. Er steht felsenfest auf dem Standpunkt der Zuständigkeit für die organischen Wirkungen, die die gesellschaftlichen Ursachen an der Physis anrichten. Letztere geraten ihm zu bloßen Auslösern für ein Krankheitsgeschehen, dessen physiologischen Besonderheiten im einzelnen Individuum er sich widmet. Er hält es ganz mit Hippokrates: „Dem Menschen helfen!“ Wem dient er damit eigentlich alles?

Vortragender: Rolf Röhrig, Autor des Buches.

Ein Vortrag mit Redakteuren der Politischen Vierteljahreszeitschrift GegenStandpunkt.

Donnerstag, 8. Dezember 2016, 19:15 Uhr,
Villa Leon, Philipp-Koerber-Weg 1, Nürnberg

Buchempfehlung

Sabine Predehl
Rolf Röhrig

Gesundheit
ein Gut und sein Preis

100 Seiten
EUR 10
ISBN 978-3-929211-17-7
Erhältlich im Buchhandel und direkt beim Verlag. Dort auch als Ebook.


Die vorliegende Schrift

– erklärt, warum man so viel für seine Gesundheit tun muss, nämlich wodurch sie dauernd gefährdet und geschädigt wird.

– bestimmt den Fehler, den sich die medizinische Wissenschaft in der theoretischen Behandlung der gar nicht unbekannten gesellschaftlichen Krankheitsursachen leistet; sie benennt die affirmative Stellung zum System der Konkurrenz, die diesem Fehler zugrunde liegt, und zeigt die Konsequenz, mit der dieser Fehler in eine moralische Begutachtung der populärsten Krankheiten und ihrer Ursachen einmündet. Sie befasst sich außerdem speziell mit der Logik der wissenschaftlichen Pathologie des Seelenlebens sowie mit dem paradoxen Erklärungsmuster der Alternativ- oder „Komplementärmedizin“.

– befasst sich mit der medizinischen Praxis und dem vertrackten Verhältnis zwischen privatem Bedürfnis nach medizinischer Hilfe und allgemeinem Interesse an funktionstüchtigen Bürgern, also mit dem herrschenden Zweck, dem das von Staats wegen institutionalisierte Gesundheitswesen dient.

– würdigt das Geschäft mit der Gesundheit und das ebenso absurde wie erfolgreiche Bemühen des modernen Gemeinwesens, die Gesundheitsversorgung eines ganzen Volkes als Geschäftsfeld zu organisieren, dessen Finanzierung die Versorgten überfordert, also Nachhilfe durch staatliche Gewalt benötigt.

Diskussionsveranstaltungen

Wer verdient warum wie viel?
Die Sache mit den gerechten Einkommensunterschieden

Wer Antworten haben will auf Fragen wie…

… der wird sich auf unserer Veranstaltung schlecht bedient finden. Wir können nämlich die Debatten über die (Un-)Gerechigkeit von Einkommen und ihren Unterschieden nicht ausstehen.

Denn die Rechts- oder Unrechtsurteile, die da gefällt werden, sind erstens praktisch belanglos. Zweitens sind sie theoretisch beliebig: Gegen jede Beschwerde über Ungerechtigkeiten beim Einkommen gibt es garantiert eine passende Verteidigung, die genauso logisch oder unlogisch ist. Und drittens wird bei solchen Debatten die einzige Frage nie gestellt, die wirklich fällig wäre: Warum passen Beruf und Einkommen für so viele Leute so schlecht zu den Notwendigkeiten und Freiheiten, die das Einkommen, erworben durch Einsatz von Lebenszeit und -kraft, doch bezahlen muss und soll?

Können wir eine Alternative bieten? Ja!

Erstens die abschließende Kritik des Vorurteils, letztlich müsse doch irgendwie zu haben und zu finden sein, was keine praktische Erfahrung jemals bestätigt oder belegt hat: eine echte, logisch und moralisch nachvollziehbare Entsprechung von individueller Tätigkeit und Bezahlung.

Und zweitens ein paar Hinweise darauf, für welche Dienste die Figuren in der Marktwirtschaft – vom Minilöhner bis zum Manager – ihre Kohle tatsächlich kriegen.

Dienstag, 13. Dezember, 19:30 Uhr,
Nachbarschaftshaus Gostenhof, Adam-Klein-Str. 6

Donnerstag, 15. Dezember, 19:15 Uhr,
Sprecherrat (1. OG), Turnstr. 7

Buchempfehlung

Peter Decker
Konrad Hecker
Joseph Patrick
 
Das Finanzkapital

180 Seiten
EUR 20
ISBN 978-3-929211-16-0
Erhältlich im Buchhandel und direkt beim Verlag. Dort auch als Ebook.


Die vorliegende Schrift bietet

– keine Beschwerde über Zockerei und kriminelle Umtriebe der Finanzmafia;

– keinen Einblick in den Alltag ehrlicher Geldhändler;

– weder Untergangsprognosen noch Zukunftsperspektiven für eine Krisenbranche;

– keine kurzgefasste Banklehre oder einen TÜV für die Ratschläge vom Bankberater;

– keine Rezepte für eine bessere staatliche Geld- und Finanzpolitik.

Sie erklärt stattdessen

– das Verhältnis der Abhängigkeit und der Notwendigkeit, des Dienstes und des Regimes, in dem das Finanzgewerbe zur kapitalistischen Warenproduktion steht;

– die vom Staat verliehene und unterstützte Macht der Banken, Kreditzeichen als Geld zirkulieren zu lassen und mit Schulden Geschäfte zu machen;

– die Freiheit der ‚Finanzindustrie‘, mit dem Geldvermögen der Gesellschaft, das ihr gar nicht gehört, auf den Geschäftserfolg der Unternehmenswelt zu spekulieren, die ihr auch nicht gehört, und daran nicht nur zu verdienen, sondern alle Welt vom Erfolg ihrer Spekulationsgeschäfte abhängig zu machen;

– den Nutzen des Kreditgewerbes für den Staat, der mit Geld und Schulden regiert, und den Nutzen des Staats für das Kreditgewerbe, das ohne Zentralbank und öffentliche Schuldenverwaltung aufgeschmissen wäre; also die Symbiose von privater Finanzmacht und staatlicher Gewalt;

– die weltweit wirksame Macht über Investitionen und nationale Kapitalstandorte, die die Kreditbranche durch die staatlich betreute Internationalisierung des kapitalistischen Geschäftslebens gewinnt;

– den Dienst, den die Finanzmärkte für das Geld der Weltwirtschaftsmächte leisten, und die Geschäftsfreiheiten und -mittel, die sie dafür von den politischen Machthabern über die herrschende Weltordnung verlangen und bekommen; also die ökonomische Räson des modernen Imperialismus.

Kurzum: Das Buch widmet sich der Kritik der politischen Ökonomie des ‚globalisierten‘ Kapitalismus.

Buchempfehlung

J. Köper, U. Taraben
Der Fall Griechenland
Fünf Jahre Krise und Krisenkonkurrenz

Europa rettet sein Geld –
die deutsche Führungsmacht ihr
imperialistisches Europa-Projekt

130 Seiten
EUR 10
ISBN 978-3-929211-15-3
Erhältlich im Buchhandel und direkt beim Verlag. Dort auch als Ebook.


Alle Welt weiß: Griechenland ist ein Problem. Aber was für eins? Ein humanitäres? Ein finanzwirtschaftliches? Ein ordnungspolitisches? Eines für den Euro? Für Brüssel? Für Deutschland? Für die Griechen? Was für eins auch immer: Alle Welt kennt, vermisst, wünscht, fordert – eine Lösung.

Der Suche nach Lösungsvorschlägen verweigert sich die hier vorgelegte Aufsatzsammlung. Sie erklärt den innereuropäischen Imperialismus, der nicht nur den Griechen Probleme macht. Und warum der alles andere als Lösungsvorschläge für seine Probleme verdient.

GegenStandpunkt Vorträge im Video

Buchempfehlung

Peter Decker (Hrsg.)
Demokratie
Die perfekte Form
bürgerlicher Herrschaft

241 Seiten
EUR 14,80
ISBN 978-3-929211-13-9
Erhältlich im Buchhandel und direkt beim Verlag.


Freie Wahlen werden amtlich als Kernstück der Demokratie geschätzt. In der Demokratie, heißt es, wird nicht einfach regiert – das Volk erteilt per Abstimmung den Auftrag zur Wahrnehmung der Staatsgeschäfte.

Weniger amtlich betrachten Politiker wie Wähler diese Veranstaltung ohne solche Ehrerbietung. Demokratische Politiker nehmen Wahlen nüchtern als Bedingung und Gelegenheit, auf Kosten der Konkurrenten an die Macht zu gelangen. Und mündige Bürger haben Wahlen längst als Schwindel durchschaut. Wählen gehen sie selbstbewusst ohne Illusionen, damit etwas zu ‚bewirken‘ oder zu ‚verändern‘.

Sowohl die hohe Meinung über die hehren Grundsätze demokratischer Machtausübung wie auch das abschätzige Urteil über die praktische Betätigung des Volkswillens übergehen allerdings, was das Institut der freien Wahlen tatsächlich leistet: Mit den Wahlkreuzen legitimiert sich immerhin eine Herrschaft, die sich auf ihre Unabhängigkeit von ihrer Basis – vom ‚Druck der Straße‘ – viel zugute hält und von ihrer Freiheit regen Gebrauch macht. Und auch wenn es aufgeklärten Zeitgenossen ‚letztlich doch egal‘ ist, von wem sie regiert werden; egal sollte es ihnen nicht sein, dass sie von ihrer demokratisch gewählten Herrschaft alle Lebensbedingungen serviert bekommen, mit denen sie praktisch zurechtkommen müssen.

Vortragsreihe Wissenschaftskritik SS 2014

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Vortragsreihe Wissenschaftskritik WS 2013/14

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Vortragsreihe Wissenschaftskritik SS 2013

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